Die Entstehung der Gemeinde

Die Gründung der Gemeinde

Durch das Vorhandensein eines eigenen Versammlungshauses wurde die Grün­ dung einer selbständigen Gemeinde weiter gefördert. 1909 hielt Prediger F r i t z   K a i s e r eine Evangelisation. Im Anschluß daran wurde mit einer Sonntagschul­ arbeit begonnen, die viel Segen unter den Kindern im Dorf gestiftet hat. (Eine Zeitlang war schon Sonntagschule in "Martins Haus" gewesen.) Später ist Bruder Kaiser aus Beuel oft zum Dienst in Breitscheid gewesen. 1910 diente Prediger F ü r n i ß bei einer Evangelisationswoche. Mit seiner schlichten Art fand er guten Anklang bei den Gläubigen, und er ist es auch gewesen, der in Gesprächen mit den Brüdern die Vorärbeit zur Gründung einer Freien evangelischen Gemeinde tat. Leider ist er früh vom HErrn in die Ewigkeit abberufen worden. Diese Ge­ spräche hat dann Prediger P h i l i p p  S c h n e i d e r (Wattenscheid) fortgesetzt, der 1912 zum ersten Male zu einer Verkündigungswoche nach Beitscheid kam und in den späteren Jahren oft hier mit dem Wort gedient hat. Auch beim 25jährigen Jubiläum des Gemeindehauses, am 22. November 1933, war er dabei.

In Anwesenheit von Bruder Schneider kam es am 18. Februar 1912 zur Gründung einer Freien evangelischen Gemeinde in Breitscheid. Die Versammlung hatte sich schon seit der Erstellung des Gemeindehauses im Jahre 1908 Freie evangelische Gemeinde genannt und das Haus eintragen lassen auf "Gemeinwohl"-Immobilien­Gesellschaft m. b. H., damals mit dem Sitz in Düsseldorf, heute in Witten (Ruhr), die treuhänderisch das Vermögen der Einzelgemeinden verwaltet, damit nicht jede Gemeinde eine Rechtsform haben muß. Bruder Schneider wurde von den Brüdern beauftragt, die Breitscheider Gemeinde beim Bund Freier evangelischer Gemein­den anzumelden und um Aufnahme in den Bund zu ersuchen. Aus dem Protokollbuch der Gemeinde wollen wir das Ergebnis der ersten Brüderversammlung am 18. Februar 1912 hier festhalten:

"I. Besprechung zwecks Anschluß an den Bund Freier evangelischer Gemeinden. Schon länger war diese Frage bei manchem der Brüder ernstlich erwogen worden und mit diesem Anliegen wandten sie sich an Bruder Schneider aus Wattenscheid, der zur Zeit am Ort evangelisierte. Derselbe erklärte dann in einer ordentlichen Sitzung die Stellung des Bundes und der einzelnen Gemeinden im Bund. Die Brüder freuten sich über die vielseitige Tätigkeit des Bundes. Auf Wunsch wurde auch etwas über die Stellung des Bundes zum Evangelischen Brüderverein gesagt. Es wurde betont, daß dasselbe ein brüderliches sei. Darauf beschlossen die Brüder einstimmig, sich zur Aufnahme in den Bund Freier evangelischer Gemeinden anzumelden.

II. Besprechung über die Aufnahme in die Gemeinde von solchen, die gerne zur Gemeinde gehören möchten. Es erfolgt zunächst eine Anmeldung bei einem der leitenden Brüder. Dann wird diese Anmeldung der Gemeinde bekanntgegeben. Von der Brüderversammlung werden 2 Brüder gebeten, mit dem Angemeldeten zu reden und festzustellen, ob der Betreffende eine ernstliche Bekehrung und Wiedergeburt erlebt hat, soweit das menschlich festzustellen ist. Bekehrung und Wiedergeburt sind unbedingt notwendig zur Aufnahme in die Gemeinde. Die Angemeldeten sollen auch gefragt werden, warum sie sich der Gemeinde anschließen wollen. In den Versammlungen soll dann auch frei über jede biblische Wahrheit geredet werden. Können die Brüder dann den Angemeldeten das Zeugnis der Bekehrung und eines Wandels mit dem HErrn geben, erfolgt die Aufnahme in die Gemeinde. Dieselbe soll immer einstimmig sein.

Unterschrift der erschienenen Brüder: 1. Heinrich Moos 5. Heinrich Müller 8. Will! Hild 11. Reinhard Thielmann 2. Martin Thielmann 6. Albert Reeh 9. Ernst Thielmann 12. Heinrich Lehnhard 3. Heinrich Diehl 7. Heinrich Enners 10. Karl Thomas 13. Friedrich Leng" 4. Otto Haas

Am 17. März 1912 war Ältestenwahl, und gleichzeitig wurde auch ein Vorstand gewählt, weil in der Gemeinde alles ordentlich zugehen sollte und auch Verhandlungen mit weltlichen Stellen zu führen sind. Diese Geschäfte hatten die Brüder vom Vorstand zu erledigen. Gemeindeältester wurde Heinrich Müller. Ihm zur Seite wurden die Brüder Heinrich Moos, Willy Hild und Friedrich Leng (Erdbach) gestellt. Im Juni 1912 teilte der damalige Bundesvorsteher und spätere Leiter der Predigerschule in Wuppertal-Vohwinkel, J a k o b  M i l l a r d, dem Gemeinde ältesten Heinrich Müller mit, daß die Gemeinde Breitscheid am 2. Juni 1912 anläß lich des Bundestages in Siegen in den Bund Freier evangelischer Gemeinden aufgenommen worden sei. Willi Hild schreibt 1933: "Diesen Anschluß an den Bund haben wir nie bereut. Dadurch konnte die weitverzweigte Arbeit auf dem Wester wald viel besser getan werden." Auch heute sind wir dankbar für die Zusammen arbeit im Bund, und die Gemeinde unterstützt die Anliegen und Werke des Bundes willig und freudig.